
This article is protected by German copyright law. You may copy and distribute this article for your personal use only. Other use is only allowed with written permission by the copyright holder.
tm
89Technisches Messen 74 (2007) 3 / DOI 10.1524/teme.2007.74.3.89 © Oldenbourg Verlag
In forma tion s fus ion
in der Mess- und Sensortechnik
E d ito r ia l: Klaus-Dieter Sommer, Landesamt für Mess- und Eichwesen Thüringen,
Fernando Puente Le
´
on, Technische Universität München
Die immer komplexer werdenden technischen Systeme, ihre Entwicklung und die Notwendigkeit ihrer
sicheren Beherrschung führen in zunehmendem Maße zu Anforderungen an die Mess- und Sensor-
technik, die mit einzelnen Sensoren, physikalischen Messprinzipien oder -verfahren nicht mehr erfüllt
werden können. Das trifft insbesondere auf die Erfassung und Auswertung multivariater oder verteilter
Messgrößen zu, die zur Lösung komplexer Detektions-, Klassifikations- oder Identifikationsaufgaben
benötigt werden. Die Lösung solcher Aufgaben erfordert oft die Nutzung von Informationen mehrerer
Sensoren und unterschiedlicher anderer Quellen. Typische Beispiele sind die Fahrerassistenzsysteme
mit der Fusion von Entfernungs- und Videoinformation, die Kombination taktiler und berührungsloser
optischer Sensoren in der Fertigungstechnik, die multisensorielle Objekterkennung und -verfolgung
im militärischen Bereich oder die Kombination verschiedener Chemosensoren auf einem Chip zur Er-
fassung und Bewertung von „Gerüchen“. Solche und andere Messaufgaben haben in den letzten Jahren
zu einem starken Entwicklungsschub für Multisensorsysteme geführt und die Grundlagenforschung
zur Fusion von Messdaten und Information auf unterschiedlichen technischen Abstraktionsebe-
nen vorangetrieben. Eine weitere wichtige Triebfeder für die Informationsfusion resultiert aus dem
„umgekehrten“ Erfordernis, die mit der Entwicklung der Informationstechnik in immer größerem Um-
fang an den Schnittstellen von Sensorsignalverarbeitung und Automatisierungstechnik zur Verfügung
stehenden Datenmengen in Echtzeit zu verarbeiten.
Die Zielsetzung der Informationsfusion in der Mess- und Sensortechnik besteht darin, durch Nutzung
verschiedenster Informationsquellen neues, zusätzliches oder präziseres Wissen über physikalische
Größen, Parameter, Ereignisse oder Situationen zu gewinnen. Informationen im Sinne von nützli-
chem, bedeutsamen Wissen oder – etwas „technischer“ formuliert – verringerter bzw. beseitigter
Unsicherheit sind dabei sowohl Sensorsignale als auch jegliche andere Beschreibungen von Objekten,
Zuständen, Verhalten und Wechselwirkungen.
Das Konzept der Informationsfusion ist zwar keineswegs neu – die Forschung auf diesem Gebiet
wurde jedoch erst im militärischen Bereich durch erhebliche Investitionen des amerikanischen
Verteidigungsministeriums intensiv vorangetrieben. Seit einigen Jahren findet die Informations-
und Datenfusion auch breiten Eingang in die Messtheorie. Der Fachausschuss „Grundlagen der
Messsysteme“ der VDI/VDE-Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) hat das
Thema im Jahr 2004 aufgegriffen und zunächst mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen der
Mess- und Sensortechnik diskutiert. Die Bedeutung des Fachgebietes sowohl für den Wissenschafts-
und Wirtschaftsstandort Deutschland als auch für die internationale Entwicklung von Messtechnik
Comments to this Manuals